★★★ Thr33ky-Athlet Orkan Akpinar ★★★

Jeden Tag nach Feierabend habe ich Urlaub!

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Text: Thomas Raukamp, Fotos: Orkan Akpinar (privat)

Orkan Akpinar zieht es nicht in die Ferne: Er entdeckt den Trail vor der eigenen Haustür und protokolliert seine Eindrücke auf seinem Blog. „Deponie der Seele“ nennt er ihn liebevoll. Wir trafen einen tief zufriedenen Menschen zum Gespräch.

Von der Halle auf den Trail

Demut. Respekt. Zwei ganz wichtige Begriffe im Wortschatz von Orkan Akpinar. Letztens auf Facebook zum Beispiel, da war wieder so ein Moment. „Mountains: Not caring about the color of your skin, your belonging to some ethnic group or political borders. Solely judging you by the amount of respect you demonstrate on your pilgrimage to the mountaintops.“ Es sind diese Zitate, die klar machen, dass Orkan ganz anders an seinen Sport, das Trail-Running, herangeht. „Demut ist ein gutes Wort“, sagt er irgendwann in unserem Gespräch über das Laufen, das Leben und Zufriedenheit. „Wir sollten dankbar sein, dass wir die Zeit, das Geld und vor allem die Gesundheit besitzen, die Dinge zu tun, die wir tun. Das ist nicht selbstverständlich.“

Dass Orkan Akpinar überhaupt im Trail unterwegs ist, ist ebenfalls nicht „selbstverständlich“. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit konnte er mit Ausdauersport so gut wie gar nichts anfangen. „Laufen habe ich immer gehasst und versucht zu umgehen“, sagt er und schmunzelt dabei angesichts seiner heutigen Begeisterung. Unsportlich war er deshalb nicht – seine Bewegung fand vielmehr in der Halle beim Tischtennis statt. Dort brachte er es immerhin bis zum passablen Spieler und Trainer. Nur nach draußen zog ihn eben nichts. „Während des Studiums saß ich zu lange und zu oft am Schreibtisch. Morgens habe ich das linke Rollo zur Südseite geschlossen, mittags kam das rechte hinzu. Wenn ich beide Rollos wieder aufmachen konnte, war Feierabend.“

 

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Passion mit Verzögerung

Das Ergebnis spiegelte sich auf der Waage wider. Grund genug, zumindest hin und wieder die Laufschuhe zu schnüren, um ächzend und mit schlechtem Gewissen einige Kilometer abzureißen. „Mit den ersten Kilometern begann ich 2010 – ich musste mich regelrecht aufraffen und mit Schokolade belohnen“, sagt Orkan rückblickend auf die ersten zaghaften Versuche. Trotzdem: 2012 folgte mit einem Marathon die erste große Herausforderung. Vier Stunden ging es durch die Innenstadt von Darmstadt, jedoch wollte der Funken nicht recht überspringen: „Das war zwar eine tolle Leistung – Spaß gemacht hat sie mir allerdings nicht.“ Im Gegenteil: Die Laufszene mit all ihrer Konkurrenz und dem ständigen Leistungsgedanken irritierte Orkan: „Das ewigen Messen von Zeiten, die Vergleiche untereinander, die gemeinsamen Vokabeln – das alles stieß mich eher ab.“ Und weiter: „Als Student und im Beruf muss man ständig Leistung bringen – und genau deshalb möchte ich das in meiner Freizeit nicht erleben.“

Laufen als einmaliges Erlebnis und gelegentliche Waffe gegen das Übergewicht aus dem Studentenleben also? Das beißt sich mit den heutigen Fotos auf Orkans Blog und dem Facebook-Profil. Geradezu ekstatische Bilder sind da zu finden – voller Weite und Lust an der Bewegung. Wie schaffte der damals 24-Jährige die Kurve? „Das Exzessive, das kam eigentlich erst mit dem Trail-Running“, weiß Orkan heute.

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Deutschland per Trail

Der Weg dorthin begann ganz profan an einem Zeitungskiosk. „Ich deckte mich damals mit Laufzeitschriften ein“, so Orkan, „neben ,Runner’s World’ und ,Running’ stand da die ,Trail’.“ Der spätere Lebensweg wäre jedoch beinahe in einem Missverständnis vorab jäh geendet: „Ich brachte den Begriff anfangs eher mit Downhill, Freeride und Mountainbiking in Verbindung“, sagt er und lacht dabei.

Gut, dass er dann doch noch in dem Magazin blätterte. Denn was er dort sah, erweckte sofort seine Neugierde. Es ging nicht etwa um Trainings- und Ernährungspläne oder optimale Zeiten, sondern vielmehr um ein gänzlich neues Konzept, eine Verbindung von Laufen und Natur. „Das wollte ich unbedingt ausprobieren. Statt irgendwelcher Promenaden lief ich nun also Hügel rauf und runter. Und das war cool!“, beschreibt Orkan seine ersten Erlebnisse auf dem Trail. Denn Laufen sei nicht gleich Laufen: „Es ist einfach etwas ganz Anderes, im Gelände zu laufen als auf der Ebene. Die eigene Aufmerksamkeit ist weitaus höher. Ich kann dadurch viel besser entspannen.“ Und das hat sich damals auch auf seinen Uni-Alltag ausgewirkt: „Ich war einfach so darauf konzentriert, nicht auf die Fresse zu fallen, dass ich den ganzen Uni-Kram endlich mal zur Seite schieben konnte“, berichtet er. „Als ich nach dem Lauf nach Hause kam, war mein Kopf viel klarer – was umgekehrt wieder zum Lernen beitrug.“

2013 nahm Orkan dann an der ersten großen Veranstaltung teil – der „4 Trails“. Doch dabei handelt es sich nicht etwa um einen entspannten Feierabendlauf: Der Etappenlauf durch die Alpen bedeutete im Austragungsjahr 2013 immerhin 160 Kilometer über 10.000 Höhenmeter. „Ich ging hingegen davon aus, dass es sich um eine gute Einsteigerveranstaltung handeln würde – eine fatale Fehleinschätzung“, sagt Orkan rückblickend. „Mir ist erst ein paar Wochen nach der Anmeldung gedämmert, wie krass das werden würde!“

Doch da gab es kein Zurück mehr. Zwar entpuppte sich die 4 Trails als echte Herausforderung, Einsteigern bietet er jedoch genau die Art „Laufgift“, die süchtig macht: tolle Trails, atemberaubende Aussichten und hochalpine Passagen. Wer das durchsteht, kommt nur schwer von der „Droge Trail“ wieder los.

Und so wollte auch Orkan schnell mehr. Mehrere Studentenjobs finanzierten sein Hobby – und mit jedem Kilometer wuchs auch der Freundeskreis. „Ich habe viele Leute getroffen, bei denen ich auf dem Sofa pennen konnte. So habe ich Stück für Stück Deutschland kennengelernt – laufend eben.“

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Die Faszination Trail …

… hat mittlerweile Orkans ganzes Leben umgekrempelt. Sogar den Arbeitsplatz hat er mit seinem Sport abgestimmt. Sein Weg führte ihn nach Freiburg: „Eine wunderschöne Stadt“, schwärmt Orkan, „der Rhein ist nicht weit, der höchste Berg immerhin 1.500 Meter hoch, die Alpen sind erreichbar und Frankreich liegt quasi vor der Haustür. Wenn man Sport treiben möchte, ist es hier schon optimal. Die Möglichkeiten sind enorm.“

Denn anders als viele andere Trail-Runner, Läufer und Extremsportler zieht es Orkan gar nicht in die Ferne – das Glück sucht er lieber vor der eigenen Haustür: „Wir haben’s hier so gut“, sagt er. „Mein Job erlaubt mir, nach Feierabend viele Orte und Umgebungen zu entdecken.“ Dabei sucht er bewusst die Einsamkeit. „Es passiert mindestens einmal pro Woche, dass ich mein Auto irgendwo parke, laufen gehe und wirklich keinen Menschen sehe. Jeden Tag habe ich freien Blick auf die Alpen. Ich brauche 1½ Stunden in die Schweizer Berge. Die französischen Vogesen sind auch nicht weit.“

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Die Neugier auf neue Strecken treibt Orkan jeden Tag an. „Ich stehe freiwillig um vier Uhr auf und fahre auf dem Weg zur Arbeit durch den Hochschwarzwald, um all die schönen Gegenden hier abzuklappern“, erzählt er. „Ich fahre dann zum Beispiel am Titisee vorbei und schaue zum Feldberg hinüber auf über 1.494 Meter – nur um zu prüfen, ob dort noch Schnee liegt oder ob ich in tieferen Ebenen laufen muss.“ Laufen da, wo andere Urlaub machen? „Jeden Tag nach Feierabend habe ich Urlaub!“

Ganz offensichtlich: Aus Orkan Akpinar spricht Zufriedenheit. „Klar“, sagt er, „so wie es derzeit läuft, bin ich einfach super glücklich!“

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Athletensteckbrief Orkan Akpinar

Name
Orkan Akpinar
Geburtstag
02. August 1987
Nationalität
Deutscher
Wohnort
Freiburg/Baden-Württemberg
Lieblingsort
Wald und Berge
Ziele
Herumkommen und viel erleben
Highlights
Jeder neue Tag!
Motto
Das Leben ist schön!
Lieblings-Thr33ky-Produkt
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